Bayern-Chemie Gesellschaft für flugchemische Antriebe mbH

Ein Feststoffraketenmotor zur Beendigung überzogener Flugzustände für die Erprobungsflüge des A 400 M

Bei der Erprobung des zukünftigen europäischen militärischen Transportflugzeugs A 400 M sollen auch extreme Manöver geflogen werden. Um möglicherweise auftretende extrem überzogene Flugzustände sicher und ohne Gefährdung des Flugzeugs beenden zu können, wird ein im Schwanz des Flugzeugs eingebauter, nach unten gerichteter Raketenmotor gezündet, dessen Impuls die reguläre Fluglage wieder herstellt.

Die wesentlichen Anforderungen an das „Deep Stall Recovery System“ (DSRS) sind Funktions- und Blitzschlagsicherheit, Schubniveau und Schubdauer. Die größte Herausforderung war die für Entwicklung und Qualifikation zur Verfügung stehende Zeitspanne von nur 15 Monaten. Während die Designhoheit für Raketenmotor, Anzünder und Sicherungssystem bei BC lag, wurden die Schnittstellen gemeinsam von BC und Airbus festgelegt. Für die Erprobungsflüge sollten zwei Motore jeweils mit Anzünder und Sicherungssystem ausgeliefert werden.

Um dem engen Zeitrahmen gerecht zu werden, wurden

  • besondere technische Lösungen gewählt wie die Nutzung von kommerziell und sofort verfügbaren Materialien, Vorprodukten und Teilen
  • erprobte Bauweisen und bekannte Komponenten verwendet wie Treibstoff mit Haftungssystem und Anzünder
  • bewährte Konzepte und Prozesse angewandt

Insgesamt wurden sechs Motore in einem Los hergestellt: zwei für Prüfstandsabbrände, zwei für die Qualifikation und zwei zur Auslieferung. Die Erfahrung und Modellierungskapazitäten von BC lieferten korrekte Vorhersagen zu Leistung, mechanischen Lasten und Thermalverhalten. „Besonders Herausfordernd war die Entwicklung des Anzünd- und Sicherungssystems an die Anforderungen des A 400 M zu elektromagnetischer Verträglichkeit und Blitzschlagresistenz“ sagte der Projektleiter Hr. Simon. „Der gewählte Ansatz, technische Fähigkeiten und sorgfältiges Risikomanagement sicherten eine geordnete und erfolgreiche Entwicklung ohne Entwicklungsschleifen“ ergänzte Dr. Weigand, Leiter Entwicklung und Technologie. Die Schwesterfirma TDW unterstützte mit ihrer Anlagen die termingerechte Durchführung der Qualifikationstests.

Zum guten Ende waren die Motore 15 Monate nach Vertragsunterzeichnung fertig zur Auslieferung – ein ausgezeichnetes Beispiel für eine schnelle Entwicklung. Möglich wurde dies durch konsequente Befolgung der Regeln:

  • Leistungsparameter treiben Kosten und Zeitplan
  • Sorgfältiges Schnittstellenmanagement ermöglicht „design to cost“

Dieser Ansatz sicherte die erfolgreiche Qualifikation und Bereitstellung der beiden DSRS Motore für A 400 M unter Einhaltung von Qualität, Kosten und Zeitplan.